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Die Baatz-Formel für Erfolg

Stimmt ein Klischee übers Saarland, dann jenes, dass seine Bewohner beim Essen und Trinken eher Franzosen als Deutsche sind. Wohl auch deshalb buchstabiert man das französische „savoir-vivre“ – das „verstehen, zu leben“ – eigenwillig als „Saarvoir-Vivre“. 

Dass die Saarländer sich aber nicht nur dem Genuss und dem gepflegten Müßiggang hingeben, dafür stehen solche Erfolgsbiografien wie die von Norman Baatz.

Mit 30 den Master in der Tasche – und fast zehn Jahre Berufserfahrung. Geht das? Klar, wenn man so ein Typ wie Norman Baatz ist. Der nahm in den letzten zwölf Jahren fünf Qualifizierungshürden. „Ich war schon immer ehrgeizig, möchte immer gewinnen“, sagt er von sich selbst. 

Schon als Kind vom Geld fasziniert und deshalb u. a. ein disziplinierter Sparer, machte der 1987 Geborene nach seiner Fachoberschule seinen Bankkaufmann bei einer Sparkasse. „Der eilte der Ruf voraus, dass sie viel Geld in eine gute Ausbildung investiere.“ Norman gefiel zudem, dass er von Anfang an ins praktische Geschäft eingebunden war, geschult wurde, was Verkauf und Beratung wirklich bedeuten.

Alsbald wollte er aber mehr wissen, getreu seinem Credo „Stillstand ist Rückschritt“. Also sattelte er nebenberuflich den Sparkassenwirt drauf. Den in der Tasche, folgte direkt im Anschluss das duale Studium und der Abschluss als Betriebswirt (VWA). Eine Kollegin, die selbst diesen Weg ging, hatte ihn neugierig gemacht. Den Ausschlag für die VWA habe dann gegeben, „dass man sich mit diesem Abschluss beruflich in alle Richtungen entwickeln kann.“ 

Was er dann auch tat: Nach fünfeinhalb Jahren Bankerfahrung wechselte er in den väterlichen Betrieb. Das Unternehmen war spezialisiert auf Antihaftbeschichtungen von Wirtschaftsgütern. Der damals 25-jährige übernahm dessen Leitung, kümmerte sich um den betriebswirtschaftlichen Teil, erreichte aber in dieser Zeit auch einen, über das VWA-Studium möglichen Bachelor-Abschluss binnen einem Jahr. 

Dann verkaufte der Vater, auch auf das Anraten des Sohnes, die gutgehende Firma. Nicht zuletzt, weil der Erlös aus dem Lebenswerk des Vaters so dessen Ruhestand sicherte. „Er war die 25 Jahre zuvor nicht ein einziges Mal im Urlaub gewesen.“

Norman selbst – fest vertrauend auf seine gute Ausbildung und Erfahrung – suchte sich eine neue Perspektive. Einmal so im Intensivlern-Modus, machte er deshalb das zweijährige Studium zum Master (M.A.) Umwelt- und Betriebswirtschaft an der Hochschule Trier. Das passierte aber rein akademisch, „weil ein solcher Abschluss doch spürbar repräsentativer“ sei. Mit „sehr gut“ und Auszeichnung schloss er kürzlich ab. 

Nach seiner Masterfeier brauchte Norman gerade einmal zwei Wochen, um einen Job zu finden. Nicht den erstbesten noch irgendeinen nahm er an, sondern „einen richtig anspruchsvollen und lukrativen“, wie er sagt. Baatz ist nun Consultant bei der Saarbrücker Schwindt Bürosysteme GmbH, arrangiert deren IT-Lösung „Enterprise-Resource-Planning“ kundenspezifisch. Er erstellt Konzepte bei potenziellen Interessenten, wie deren Betriebsabläufe optimiert werden können, die dann Grundlage für die Individualisierung der Systemlösung sind, die Schwindt anbietet.

„Ich profitiere dabei heute noch von der VWA-Zeit“, sagt er. Das wäre ein „super Grundstock für das Masterstudium“ gewesen, was man wohl eher nicht vermuten würde. Baatz erinnere sich gern an die Dozenten, die fachlich Spitze gewesen seien, aber auch an den enormen Stress und Leistungsdruck, an dem er v. a. sein Zeitmanagement hat perfektionieren können. „Wir waren schließlich eine echt verrückte Lerngruppe, haben dreimal die Woche abends gebüffelt, kurz vor Prüfungen dann auch schon mal täglich...“ So wuchsen Freundschaften, die wie die damals geknüpften Netzwerke bis heute fortbestünden. 

Dass Norman Baatz über die Jahre aktiv Fußball und Tischtennis spielte, seit Jahren zudem Vorsitzender seines Vereins TTC Neuweiler ist, sei nur am Rande erwähnt. „Langweilig wird mir nicht“, beteuert er. 

Übrigens nicht zuletzt deshalb, weil er natürlich für seinen neuen Job nun auch möglichst schnell wieder alles wissen will, was dafür nötig ist. Deshalb steckt er weiterhin seine Nase in Fachbücher. „Ich möchte eben immer einen Schritt voraus sein.“ 

So buchstabiert sich eben die Baatzsche Formel für Erfolg.

© Rainer Aschenbrenner, Gotha, 25. Mai 2018
Foto: privat