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Mit offenen Augen durchs Leben

Die Niesmann+Bischoff GmbH hat es mit der Sehnsucht nach der Ferne. Deshalb erfüllt sie Träume – (auto-)mobile Träume. Die Firma aus Polch unweit von Koblenz baut Premium-Reisemobile. Und sie machte auch Kathrin Jakobys Traum wahr – allerdings auf etwas andere Art und Weise.   

Immer schon wollte die gebürtige Neuwiederin mit Menschen arbeiten. Liebte es – wie sie sich erinnert – von klein auf, Gastgeberin zu sein. Entwickelte früh ein Faible für Hotels. „Was Praktisches“ sollte ihr Traumberuf deshalb bieten. Ihre Wahl fiel demnach folgerichtig auf den Beruf einer Hofa, einer Hotelfachfrau. Im Cologne Marriott® Hotel, unweit des Doms und mit Sicht auf den Rhein, holte sie sich ab 2008 ihr erstes berufliches Rüstzeug. 

Beim Durchlaufen aller Bereiche des Hauses landete sie eines Tages auch in der Personalabteilung. Und statt Kaffee zu kochen, durfte die Azubine beim Casting ihrer künftigen Kolleginnen und Kollegen dabei sein. „Das war’s, das weckte in mir eine ganz besondere Leidenschaft“, erinnert sie sich.

Eine auf den ersten Blick verlockende Aussicht auf einen Job in einer Personalabteilung führte sie nach Lehrzeit und einem weiteren Jahr im Marriott 2012 nach Frankfurt am Main. Doch mit dem pulsierenden Mainhattan wurde Kathrin nicht warm. Deshalb sei bald klar gewesen: „Ich musste zurück in mein Rheinland!“ Wie der Zufall es wollte, bot sich nach acht Monaten in Rengsdorf, bei der „Berge & Meer Touristik GmbH“, eine adäquate Stelle. Das Touristikunternehmen für Pauschalreisen ist seit 2007 ein Tochterunternehmen der TUI.

Noch zu Frankfurter Zeiten reifte bei Kathrin der Wunsch, sich weiterzubilden. Das sollte parallel zum Beruf möglich sein. Sie sichtete deshalb diverse Angebote, stieß so auf die VWA, war vom dualen Konzept, dem inhaltlichen Angebot begeistert. Als sie ihrem neuen Arbeitgeber ihren Plan offenbarte, wie sie ihren Wissensdurst stillen wolle, war der nicht dagegen. Im Gegenteil: „Sie haben mich sogar bestärkt und finanziell unterstützt.“

So startete sie quasi doppelt – im Job und mit ihrem Studium an der VWA. „Das war schon ein Ding. Dagegen war das Abi ein Klacks.“ Immer noch voller Respekt vor der Herausforderung – und vor der eigenen Courage – erinnert sie auch Jahre danach diesen Lebensabschnitt. Sie habe für jedes Examen während der VWA-Zeit mehr gelernt als für alle Abiturprüfungen zusammen. Sich nicht nur einmal vor Prüfungen gefragt: „Warum hast Du Dir DAS angetan?“

Klein beigeben wollte sie aber nicht. „Nicht zuletzt, weil ich in diesen drei Jahren unglaublich viel über mich gelernt habe. Spürte, wie meine Selbstdisziplin gewachsen war und mich diese Herausforderung stark gemacht hat.“

Seit Jahresbeginn gehört sie nun zum Team der Niesmann+Bischoff GmbH, natürlich wieder im Traum-Engagement als Personalerin. Der Wechsel von der TUI-Tochter zum Wohnmobilbauer war logische Konsequenz aus der geänderten persönlichen Situation: Kathrin, Jahrgang 1987, war Mutter geworden und suchte „was Familienfreundlicheres“.   

Das fand sie beim Mittelständler mit rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Polch. Und nicht nur das. Denn hier kann sie sich nun vollends entfalten, all ihre ganz eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten investieren. 

Die bringen es zum Beispiel mit sich, dass diverse Zeugnisse von Bewerbern eher weniger Gewicht bei deren Bewertung bekommen. Mit Ausnahme jener Urkunden, die von einer VWA ausgestellt wurden. Ihre Begründung: „Mein eigener Erfolg und das Wissen darum und dass ein solcher Abschluss für Durchhaltevermögen und Disziplin steht.“ 

Die Bereitschaft, sich aus eigenem Antrieb weiterzubilden, ist dabei ebenso entscheidend. Folgerichtig fördere ihr Arbeitgeber auch solches Ansinnen. Das verstehe sich von selbst, „denn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut“. Daher sei es für sie selbstverständlich, dass Work-Life-Balance nicht nur für Berufsanfänger ein wichtiger Wert sein sollte. „Das ist ein generationsübergreifendes Thema, was mich ständig beschäftigt.“ 

Sie achte deshalb u. a. darauf, dass z. B. nicht zuhauf Überstunden anfallen, sie mit Freizeit „zur Regeneration“ abgegolten werden. Auch das sei Art der Wertschätzung bei Niesmann+Bischoff.

Neben dieser Art von Bestandspflege müsse natürlich auch solch attraktiver Arbeitgeber wie der ihre der Zukunft zugewandt sein, denn auch hier dauere es derweil deutlich länger, freie Stellen wiederzubesetzen. „Da gehen nicht selten vier, gar sechs Wochen ins Land.“ Deshalb warte man auch nicht darauf, von Berufseinsteigern gefunden zu werden. „Wir gehen an die Schulen. Wir schließen Partnerschaften. Wir bieten Praktika. Wir betreuen intensiv und individuell.“ Das ist Niesmann+Bischoffs Art, einen Wechsel auf die Zukunft auszustellen. Mit aktuell zehn Auszubildenden steht man offensichtlich gut gerüstet da.

Apropos Karriere: Kathrin Jakoby pausiert zwar gerade beim Streben nach akademischen Würden. Das bedeute aber keine Pause beim Akkumulieren von Wissen. Da biete jeder Tag genügend Möglichkeiten, klüger zu werden. „Man muss nur mit offenen Augen durchs Leben laufen.“   

© Rainer Aschenbrenner, Gotha, 8. August 2019
Foto: privat