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Warum in die Ferne schweifen...

Ob der Genuss von „Döppekooche“ den beruflichen Turbo zünden kann, ist eine rein akademische Frage. Zumindest wenn man Nadine Zimmermann heißt und ein echtes „Kowelenzer Schängelche“ ist.

Vor fünf Jahren Abiturientin. Heute Ausbildungsleiterin bei der Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG in Neuwied.* Das nennt man mal eine Turbokarriere. Dabei hing Nadine wie viele Gleichaltrige zunächst diversen Träumen nach. Wollte ins Ausland. Konnte sich zunächst nicht so recht festlegen, wohin es beruflich gehen sollte. „Aber am Ende gab die Heimatverbundenheit den Ausschlag.“ 

Doch einfach nur der heimischen Scholle, dem Geburtsort Koblenz treu bleiben – das war auch der 19-Jährigen zu wenig. Zumal sich doch bald herausschälte, dass sie eine duale Ausbildung machen wollte. Eine mit dem gewissen Etwas. 

Und da kommt man rechts und links von deutschesten aller deutschen Flüsse früher oder später aufs Mittelrhein-Modell. Seit mehr als 40 Jahren so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau in Sachen Berufsausbildung – für den Nachwuchs UND für die Unternehmen. Wer will und kann, hat nach drei Jahren drei Abschlüsse: einen Beruf, nach dem Studium an einer VWA deren Diplom als Betriebswirt und on the top den IHK-anerkannten Fremdsprachenassistenten in der Tasche.

Nadine wollte, konnte – und entschied sich schnell für diesen Weg. Ausschlag gab die Lektüre einer Sonderbeilage der „Rhein-Zeitung“ in Sachen Berufsausbildung. Da fehlte natürlich nicht die Präsentation der besagten universellen Dreieinigkeit. Tja; Lesen bildet eben. Immer noch. Und auch fürderhin gewiss...

Mittelrhein-infiziert, schrieb sie flugs eine Bewerbung an Lohmann & Rauscher. Deshalb, weil das Unternehmen nicht nur in der Region einen guten Ruf genießt. Vor allem aber, weil dieses Talente-Turbotriple zum Ausbildungsportfolio gehört. Es folgte ein Bewerbungsgespräch und danach hatte die Firma eine enthusiastische Azubine – und Nadine den Schlüssel zum beruflichen Glück in der Hand.

Sie nutzte die gebotene Chance konsequent. „Nicht zuletzt, weil mich dieser täglich erlebbare Praxisbezug faszinierte.“ Während ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau durchlief sie im Unternehmen nahezu jede Abteilung: War in der Produktion, der Logistik, im Marketing. Und auch in der Personalabteilung, wo sie dann „hängen“ blieb – im übertragenen wie wörtlichen Sinne. Denn mit einem Thema aus dem Bereich befasste sich ihre Abschlussarbeit, die sie schon nach zwei Jahren – demnach nach deutlich verkürzter Ausbildungszeit – ablieferte. Und sie stieg direkt nach den Dreifach-Dauerlauf als neue Kollegin dort ein.

Denn parallel zur Ausbildung zur Industriekauffrau drückte Nadine bei der VWA Koblenz die Hörsaalbank. Auch davon war sie angetan, weil sich an den Samstagen dort Gleichgesinnte versammelten. Die teilten ihre ganz unterschiedlichen berufspraktischen Erfahrungen freizügig und gern miteinander: konnten sie doch auf diesem Wege auch gleich die Praktikabilität des frisch erworbenen Wissens abgleichen.

In die weite Welt ging es während der drei Jahre Dreifach-Ausbildung zudem – zumindest über den Ärmelkanal. Dort, im kleinen Hafenstädtchen Ramsgate im nördlichen Kent, standen nämlich vier Wochen Intensivvorbereitung auf den IHK-Abschluss als Fremdsprachenassistentin auf dem Plan. 

Das alles ist nun gerade einmal zwei Jahre her. Und dennoch waren Wissensdurst und Ehrgeiz der gebürtigen Koblenzerin noch längst nicht befriedigt – weshalb sie Anfang des Jahres stolz ihren Abschluss als Bachelor of Arts feierte. 

Den erlangte sie natürlich ebenfalls wieder berufsbegleitend über die VWA Koblenz und vor allem deshalb, weil mit dessen internationaler Akzeptanz für sie nun alle Wege – und nicht nur die sprichwörtlichen nach Rom – offen sind und zu neuen Horizonten führen. Einer davon ist schon fest im Blick – der Masterabschluss. Den hat sie ab 2020 im Visier. 

Ihre positiven Erfahrungen mit dem Mittelrhein-Modell haben sie nun quasi zur Botschafterin dafür werden lassen. Diese Prägung lebt sie als Personalverantwortliche, trägt überzeugend Interessenten diesen Weg an. 

Den haben übrigens schon viele bei Lohmann & Rauscher auch lange vor Nadine beschritten, wie sie heute weiß. Und weil der Firma bewusst ist, was sie an den Mittelrheinern hat, schnüre sie für Interessenten „ein Rundherum-Sorglospaket“, wie es Nadine Zimmermann beschreibt. Das braucht es aber auch, denn wer diese Laufbahn wählt, der stellt sich enormen Herausforderungen. „Das ist in der Tat eine Sache, die einen ganz fordert“, rekapituliert Nadine heute. Auch deshalb, weil es kaum Zeit für Privates gab. Nicht einmal für einen ausgiebigen Einkauf... Als Nadine nämlich das Triple gepackt hatte, führte sie ihr erster freier Samstag in einen Supermarkt, wo sie die Massen erstaunten, die dort umherquirlten. „So also sieht Alltag aus...“, habe sie sich damals gedacht – und muss herzlich lachen, als sie dies erzählt.

Rückblickend auf ihren Start sagt Nadine heute: „Mit 19 steht einem die Welt offen.“ Fünf Jahre später liegt ihr quasi nicht nur die Arbeitswelt zu Füßen. Dafür hat sie lange Zeit verzichtet. Dafür hat sie hart gearbeitet. 

 

Aber das Fundament ist solide, das sie sich schuf und auf dem sie nun steht. Das weiß sie. Das sorgt für ihr ausgeprägtes und spürbares Selbstbewusstsein. Und es gibt schlussendlich unserem großen Dichterfürsten Goethe und seinen zeitlosen Versen recht:
„Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen.
Denn das Glück ist immer da.“

© Rainer Aschenbrenner, Gotha, 6. Juni 2019
Foto: privat